Arnold Burk - Elf Stücke Mit Text

Album
Es gibt ja Kinder, die sehr früh anfangen zu sprechen. Andere brauchen etwas länger. Bei Arnold dauerte es 35 Jahre. Der Weg zu seiner Stimme war eigentlich ein Versehen. Er wollte nie singen. Nicht den Mund aufmachen. Wieso dann doch? Der Frontmann einer gemeinsamen Band weigerte sich Arnolds Texte zu singen. Schlimmer noch: Er wollte an ihnen etwas ändern! Reaktionsbildung: „Wenn nicht du, dann eben ich.“ Und da ein Stier laut Astrologieeinmaleins eine getroffene Entscheidung nicht ändert, sang Arnold elf Stücke mit Text ein. Sein Debüt Album. 

Der Opener „Parkhausdeck“ bedient jegliches Klischee eines Indipopsongs. Seltsamer Sprechgesang, Ohrwurmrefrain, überraschende Bridge. Abgeschlossen wird die Glaub-an-dich Hymne von einem akustischen Sternenhimmel. 

Über einen Abstecher zur NDW (Unten) und alternativen Gitarren (Rechts) landet Burk in der Blasmusik. Trompete und Tuba wurden von Alexander Kranabetter (Voodoo Jürgens, Fuzzman) eingespielt. Das Antikriegslied markiert die Absurdität von Gewaltspiralen, ohne sich anzumaßen einen Ausweg zu kennen.

Dafür löst Arnold in „Kind meiner Eltern“ das Problem mit dem Kapitalismus. Chanson wird zu Punk, aus der Opferrolle zweifelhafter Aktivismus. Im sechsten Stück wendet sich der Komponist der Lautmalerei zu. Es trägt den Titel „Laptop“ und ist ein kakophonischer Diamant.

Das Dating App Verhalten der Gegenwart kommentiert das 31-sekündige Kunstlied „Für die Triebe“ (für das Ego, doch die Liebe ist kein Lego). Im Duo von Gesang und Klavier schillern die Obertöne der brechenden Stimme. 

Es folgt das anstrengendste Stück des Albums: „Pusten“. Eine Vertonung von Liebeskummer. Repetition als Dominante. Wenn es keinen Ausweg gibt, dann hilft nur noch Lachen. Oder Gewalt. Ob „Winterdepression“ aus Sicht des Erwachsenen oder des Kindes geschrieben wurde? Auf den Disco Hit mit vokaler Ausdruckslosigkeit und ekelhaft guter Hook folgt ein Hörspiel, in welchem die Klavierstimme einmal durch die europäische, harmonische Musikgeschichte wandert. Von Zweistimmigkeit über romantische Vielstimmigkeit zu graphisch gezogenen Voicings à la Iannis Xenakis. 

Das elfte und letzte Stück ist „Ich denk an dich“. Akkordfolge, Nachschlag und Einsatz des Gesangs sind drei eigenständige Kreise, die das musikalische Fundament bilden, auf dem sich Arnold mit dem Dahinscheiden eines geliebten Menschen auseinander setzt. 

Betrachtet man das Erstlingswerk aus der Perspektive eines Genres, ist es das Gegenteil eines Konzeptalbums. Fokussiert man sich auf den Zusammenhang von Worten und Klang, wird es zum Konzeptalbum. Der rote Faden ist das Spielen mit Genres, mit Formen. Musik als Beleuchtung von Inhalten. 

Arnold Burk wurde in Heidelberg geboren, wurde nach Bielefeld umgezogen, hat in Köln Jazz-Kontrabass studiert (ja das geht), ist nach Wien übersiedelt und pendelt zwischen Berlin und Wien. Berlin, weil Musiktherapieausbildung - Wien: „Da hatte vor zehn Jahren die damalige Freundin einen Medizinstudienplatz bekommen und in Wien bleiben ist einfach.“ Ah ja, die Eltern kommen aus Hamburg. Das wollten Sie nicht wissen? Viel Erfolg beim Versuch zu vergessen.

Parkhausdeck (25.03.24)
Ach ja, das liebe Zweifeln. Eigentlich ne feine Sache. Logisches Denken, kritisches Hinterfragen. Die Kritik der reinen Vernunft von Immanuel Kant besagt ja, dass - ne Scherz, damit kenne ich mich nicht aus.
Auf jeden Fall handelt dieses Stück vom Zweifeln als Abwehrmechanismus. Eine als Begründung getarnte Ausrede es nicht versucht zu haben. Der Kopf durch Kausalitäten sprintet, Gefühlen den Raum wegdenkt. Optimus und Träume anderer abgewertet werden müssen, um sich zu stabilisieren.
Anstatt zu wünschen: „Ich will, dass es mir so gut geht wie dir.“ Zu hoffen: „Es soll dir so schlecht gehen wie mir.“

Beim Produktionsprozess von Parkhausdeck konnte Arnold Burk viel lernen. Nach dem Mastern der ersten Version stellte er fest, dass das Stück zu langsam eingespielt wurde. Als die zweite Version abgemischt und gemastert war, merkte ein ehrlicher Freund an, dass sie eine kleine Terz zu tief sei. Und die jetzige, dritte? Wie gesagt, zu Zweifeln ist eine tolle Sache.

Arnold Burk wurde in Heidelberg geboren, wurde nach Bielefeld umgezogen, hat in Köln Jazz-Kontrabass studiert (ja das geht), ist nach Wien übersiedelt und pendelt zwischen Berlin und Wien. Berlin, weil Musiktherapieausbildung - Wien: „Da hatte vor zehn Jahren die damalige Freundin einen Medizinstudienplatz bekommen und in Wien bleiben ist einfach.“ Ah ja, die Eltern kommen aus Hamburg. Das wollten Sie nicht wissen? Viel Erfolg beim Versuch zu vergessen.

Probleme zu finden, die keine sind und Lösungen zu suchen wo keine sind liegt Arnold. Ein weißer Mann hat keine strukturellen Probleme sondern ist eines. Dieses Wissen hilft ihm allerdings wenig im Umgang mit eigenen Traumata, geschweige denn dem Führen von Beziehungen. 
Es läuft verdammt viel schief. Dennoch ist es bequemer die Schuld anzuschauen, anstatt Verantwortung zu übernehmen und wirklich etwas zu ändern.
Im Dreieck springend von: „Alles muss brennen!“ Zu: „Ich bin der Größte.“ Und: „Warum mag mich niemand?“ Drückt Arnold Gedanken und Gefühle mit schwarzem Humor, Selbstironie und Ehrlichkeit aus.
Seine musikalische Sprache ist Krautpop. Akustische Instrumente, elektronische Elemente. Indie, Avantgarde, Chanson, Disco, Minimalismus… Krautpop eben.




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